BÜROARTIKEL

Aktueller Stand der öffentlichen Beschaffung von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen

Büroartikel sind die Produktgruppe, in der die Beschaffung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen am weitesten verbreitet ist. Zwei Drittel der Verwaltungen geben an, bereits einzelne Büroartikel aus nachwachsenden Rohstoffen zu beschaffen. Nur knapp ein Viertel der Verwaltungen gibt an, dass Nachhaltigkeit bei Beschaffungsentscheidungen zu Büroartikeln in hohem Maße oder absolut relevant ist. In den letzten Jahren konnte zwar ein wachsender Trend Richtung nachwachsender Rohstoffe beobachtet werden, im Vergleich zu anderen Produktgruppen fiel dieser jedoch nur gering aus. Das könnte allerdings auch an

der bereits hohen nachhaltigen Beschaffungsaktivität in der Produktgruppe liegen. Einige Verwaltungen klagen über einen Mangel an Anbietern mit einer größeren Auswahl an Büromaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen. Laut den öffentlichen Auftraggebern stehen der Beschaffung von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen auch häufig negative Vorurteile gegenüber. Bei den Bedarfsträgern gebe es vor allem Unsicherheit bezüglich der Funktionalität, der Kompatibilität mit vorhandener Hardware und der Optik der nachhaltigen Produktalternativen.

Umsetzbare Maßnahmen zur Förderung von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen

Um dem entgegenzuwirken, bieten sich Proben und Tests mit den Produkten an. So können Vorurteile ausgeräumt und Praxiserfahrung mit den Produkten generiert werden. Dies kann weiter verstärkt werden, wenn die Bedarfsträger mit in den Beschaffungsprozess eingebunden werden. ine Beteiligung an Einkaufsgemeinschaften führt zum einen zu Preisnachlässen, die wiederum Vorurteile gegenüber höheren Kosten entgegenwirken können.

Zum anderen setzt die gebündelte Nachfrage auch ein Zeichen an die Hersteller und Anbieter von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen. Musterwarenkörbe eignen sich in dieser Produktgruppe als Mittel zur Markterkundung. Durch eine Katalogisierung der Beschaffungsbedarfe können den Bedarfsträgern direkt alternative Büroartikel aus nachwachsenden Rohstoffen empfohlen werden.

Ausschreibung von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen

Insgesamt eignen sich Büroartikel wie Papier, Stifte oder Druckerpatronen aufgrund ihrer niedrigen Komplexität und hohen Verbreitung in Verwaltungen als „Einstiegsproduktgruppe“ für die Beschaffung aus nachwachsenden Rohstoffen. Durch Erfolge auf dieser ersten Stufe kann bei den Bedarfsträgern Vertrauen geschafft werden und Vorurteile können ausgeräumt werden. So wird der Weg frei für andere Produktgruppen. Im Vergleich zu anderen Produktgruppen geben nur

wenige Verwaltungen an Zertifikate bei der Ausschreibung von Büroartikeln zu nutzen. Trotzdem sind bei Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitssiegeln Büroartikel mit 40 % aller Ausschreibungen die am häufigsten gefundene Produktgruppe. Über 70 % dieser Büroartikelausschreibungen beinhalten Papier und Umschläge. Weiterhin werden häufiger noch Produkte aus den Bereichen PC und Computer sowie Bürobedarf ausgeschrieben.

Häufig verwendete Siegel in Ausschreibungen von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen:

Umweltsiegel%
FSC60 %
PEFC45 %
Blauer Engel35 %
EU-Umweltzeichen16 %
Energy Star11 %
Nordic Swan4 %
NF4 %
Imprim’Vert3 %

Die am häufigsten genutzten Siegel im Bereich der nachhaltigen Büroartikel fördern in erster Linie die nachhaltige Waldwirtschaft um den Rohstoff Holz, beispielsweise in Papier oder Stiften. Das FSC-Umweltsiegel definiert ein höheres umweltbezogenes Anforderungsniveau, insbesondere im Bereich des nachhaltigen Waldmanagements, als das PEFC-Umweltsiegel. Im Bereich PC und Computer werden vor allem der Blaue Engel und der Energy Star verwendet.Die Aufnahme von Forderungen nach Umweltsiegeln für spezifische Endprodukte (bspw. für Papier, Schreibgeräte oder

Drucker) in die Leistungsbeschreibung ermöglicht die konkretere bzw. produktspezifischere Formulierung von Nachhaltigkeitsanforderungen. Zudem sollte sichergestellt werden, dass nachwachsende Rohstoffe wie beispielsweise Holz sowohl nachhaltig produziert als auch in der Nutzungsphase des Endprodukts, in das der Rohstoff eingeht, durch einen Mindestanteil definiert und damit die Umwelt entlastet und das Klima geschützt werden.

Relevante Siegel für die Ausschreibung von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen:

Blauer Engel

Blauer Engel für Recyclingpapier (DE-UZ 14a)

Papierprodukte mit dem Blauen Engel müssen immer zu 100 % aus Altpapier bestehen. Außerdem dürfen für die Herstellung kein Chlor oder schwer abbaubare Stoffe benutzt werden. Das Umwelt­bundesamt empfiehlt den Blauen Engel als „Goldstandard“ für Erzeugnisse aus Papier. Da Papier stets aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt wird, wer­den durch dieses Umweltsiegel Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen nur bedingt gefördert; vielmehr setzt dieses Siegel ein Zeichen für die Wiederverwendung von Res­sourcen aus nachwachsenden Rohstoffen, die sich bereits im Nutzungszyklus befinden.

Blauer Engel für Fertigerzeugnisse aus Recyclingpapier für den Büro- und Schulbedarf (DE-UZ 14 b)

Der Blaue Engel stellt, neben den Anforderungen an Papier, auch Anforderungen an Druckfarben, beispielsweise auf Deckblättern von Schulheften, Kalendern oder Mal- und Notizbüchern. Aktuell wird noch nicht gefordert, dass Druckerfarben aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sein müssen. Zukünftig sollen bei der Vergabe des Umweltsiegels jedoch auch Nachweise verlangt werden, aus denen hervorgeht, dass die nachwachsenden Rohstoffe, die zum Beispiel für die Herstellung von mineralölfreien Druckfarben verwendet werden, aus verantwortungsvollen, gentechnikfreien, möglichst regionalen Quellen stammen und mit geeigneten Zertifizierungssystemen geprüft sind.

Blauer Engel für Bürogeräte mit Druckfunktion (Drucker und Multifunktionsgeräte), (DE-UZ 205)

Das Umweltzeichen stellt Anforderungen an den Stromverbrauch, die Emissionen von umwelt- und gesundheitsbelastenden Materialien und von Geräuschen und Schadstoffen sowie an die Recyclingfähigkeit der Geräte. In den Vergabekriterien sind keine Anforderungen an die Anteile nachwachsender Rohstoffe in den in Druckern oder Tinten für Drucker verwendeten Materialien enthalten.

Blauer Engel für aufbereitete Tonermodule für elektrofotografische Drucker, Kopierer und Multifunktionsgeräte (DE-UZ 177)

Das Siegel fördert die Ressourcenschonung bei Tintenpatronen und Tonerkartuschen. Außerdem werden Anforderungen and die Emissionen und die eingesetzten Stoffe gestellt. Die Vergabekriterien enthalten keine Anforderungen der Anteile der Rohstoffe von Tonern oder Tinten für aufbereitete Tonermodule in Hinblick auf nachwachsende Rohstoffe.

Blauer Engel für Arbeitsplatzcomputer und Tastaturen (DE-UZ 78)

Geräte, die mit diesem Umweltzeichen ausgezeichnet werden, weisen einen geringen Energieverbrauch, Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit sowie geringe Geräuschemissionen auf und enthalten weniger umweltbelastende Materialien. Die Vergabekriterien enthalten keine Anforderungen der Anteile der Rohstoffe von Computern und Tastaturen in Hinblick auf nachwachsende Rohstoffe.

Blauer Engel für Druckerzeugnisse (DE-UZ 195)

Für Druckerzeugnisse, wie beispielsweise Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Flyer, Poster, Jahresberichte, Postkarten oder Briefumschläge, muss beim Blauen Engel Papier und Karton mit einem Anteil von 80 bis 100 % Altpapier (entspr. DE-UZ 14a, DE-UZ 14b, DE-UZ 72 oder DE-UZ 56) verwendet werden. Eine Forderung von Druckfarben aus nachwachsenden Rohstoffen gibt es aktuell nicht. Verwendete Druckfarben, Lacke, Löse- oder Reinigungsmittel, die nachwachsende Rohstoffe enthalten oder auf Basis derer hergestellt sind, dürfen jedoch nicht aus Regenwaldabholzung oder aus gentechnisch veränderten Pflanzen stammen.

Der Blaue Engel Schreibgeräte und Stempel (RAL-UZ 200)

Dieses Umweltsiegel fördert die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen direkt in den Ver­gabekriterien. Zu den Vergabekriterien gehört beispielsweise, dass Kunststoffe, die für Stifte oder Stempel eingesetzt werden, zu mindestens 80 % aus Recyclingmaterial bestehen müs­sen. Alternativ können mindestens 60 % des verwendeten Kunststoffes aus nachwachsenden Roh­stof­fen gewonnen sein. In diesem Fall gilt, dass der Anbau der rohstoffliefernden Pflanzen nachhaltig erfol­gen muss. Werden Papier oder Pappe für die Produkte verwendet, so müssen diese zu 100 % aus Altpapier her­gestellt werden. Außerdem muss verwendetes Holz aus legalen Quellen und darüber hinaus zu mindestens 70 % aus nachhaltigem Anbau stammen. Dies kann beispielsweise durch ein FSC- oder PEFC-Zertifikat nachgewiesen werden.

EU-Umweltzeichen

EU-Umweltzeichen für grafisches Papier, Hygienepapier und Hygienepapierprodukte

Das Europäische Umweltzeichen wird auch EU-Umweltsiegel oder EU-Ecolabel genannt. Im Papier können Recycling- oder Frischfasern als Rohstoffe verwendet werden. Frischfasern dürfen nicht von gentechnisch veränderten Arten stammen. Für alle Fasern müssen Bescheinigungen über die Produktkette vorgelegt werden, die von unabhängigen Zertifizierungssystemen wie dem Forest Stewardship Council (FSC), dem Programm zur Unterstützung von Waldzertifizierungssystemen (PEFC) oder vergleichbaren Systemen ausgestellt wurden. Die Zertifikate zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung werden im Folgenden erläutert.

EU-Umweltzeichen für Druckerzeugnisse, Schreibwaren aus Papier und Papiertragetaschenerzeugnisse

Die Kriterien des EU-Umweltzeichens für Druckerzeugnisse, Schreibwaren aus Papier und Papiertragetaschenerzeugnisse zielen auf die Verwendung von Produkten auf Papierbasis ab, die auf nachhaltige Weise hergestellt werden und auf Rohstoffen basie­ren, die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern oder aus recyceltem Material gewonnen werden.

Österreichische Richtlinie UZ 57 – Büro- und Schulartikel

Die Richtlinien des „Österreichischen Umweltsiegels“ basieren auf einem umfassenden „Lebenszyklus-Ansatz“. Büro- und Schulartikel müssen zerlegbar, verwertbar, nachfüllbar und reparaturfähig sein. Außerdem muss es Ersatzteile für Verschleißteile geben. Nachwachsende Rohstoffe werden bei diesem Umweltsiegel direkt gefördert, denn Kunststoffe müssen, je nach Produkt, einen Mindestanteil an nachwachsenden Rohstoffen oder Kunststoff-Recyclat aufweisen.

FSC

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine Organisation für die Absicherung wichtiger Umwelt- und Sozialstandards im Wald, die international relevante Interessensgruppen einbindet und durch unab­hän­gige Umwelt- und Sozialorganisationen unterstützt wird. Der FSC setzt sich für eine nachhaltige Wald­wirtschaft, die Mehrung natürlicher Mischwälder, die Schonung des Waldbodens sowie für den Schutz seltener Arten und Ökosysteme ein. Damit sind FSC-zertifizierte Wälder stabiler in einem sich wan­deln­den Klima und können als Ökosystem mehr CO2 langfristig binden. Es gibt drei Kennzeichen-Kategorien: FSC Recycling, FSC 100 % und FSC MIX. Je nach Typ des FSC-Kennzeichens erkennt man, ob ausschließlich Recyclingmaterial eingesetzt wird, das Produkt aus FSC-zertifizierter Waldwirtschaft stammt oder eine Mischung von Rohmaterialien verwendet wird. Kritisch zu betrachten ist, dass die Zertifizierung ledig­lich den verwendeten Rohstoff bewertet, nicht aber den Herstellungsprozess der Endprodukte. Daher kann es empfehlenswert sein, in der Aus­schrei­bung nicht nur zu spezifizieren, dass die in das Produkt eingehenden Res­sourcen aus nachhaltiger Waldwirtschaft kommen müssen, sondern auch, dass der Herstellungsprozess nachhaltig erfolgt.

PEFC

Das „Programme for the Endorsement of Forest Certification“ zertifiziert ebenfalls den Rohstoff Holz hinsichtlich nachhaltiger Gewinnung bzw. nachhaltigem Waldmanagement. Sowohl FSC- als auch PEFC-Forstzertifikate basieren auf Freiwilligkeit, unabhängiger Überprüfung, Transparenz, Kosteneffizienz und offenem Zugang. PEFC wurde von Waldbesitzern und Förstern gegründet, so dass die Eigentümerinteressen hier eine größere Rolle spielen. Im Gegensatz zu FSC dürfen hier, wo notwendig, auch Pestizide eingesetzt werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt bei Papier eher den Blauen Engel als nachhaltigkeitsbezogenes Qualitätsmerkmal zu wählen, da sich FSC sowie PEFC auf die Verwendung von Frischfasern beziehen, recycelte Waren, wie sie der Blaue Engel fokussiert, jedoch zumeist einen geringeren CO2-Abdruck aufweisen.

Nordic Swan

Nordic Swan für Kopier- und Druckpapier

Um den Kriterien des Nordic Swan (auch Nordic Ecolabel genannt) zu entsprechen, müssen mindestens 70 % der im Papier verwendeten Fasern aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen oder recycelt sein. Außerdem wird auf die Begrenzung gefährlicher Stoffe in Chemikalien, die während der Produktion verwendet werden, geachtet. Auch Grenzwerte für den Energieverbrauch sowie für Emissionen in Luft und Wasser während der Produktion sind festgelegt.

Nordic Swan für Büro- und Hobbybedarf

Kunststoffmaterialien, die im Endprodukt zu mehr als 5 % enthalten sind, müssen beim Nordic Swan eines der folgenden Kriterien erfüllen: Entweder müssen mindestens 30 % der Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, mindestens 30 % der Kunststoffe vor oder nach dem Verbrauch recycelter Kunststoff (nach ISO 1402) sein oder mindestens 10 % der Kunststoffe nach dem Verbrauch recycelter Kunststoff sein. Öle und Wachse müssen zumindest aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

NF Environnement

NF Environment (162 – Papier Graphique)

Im Bereich Papier setzt das französische NF-Siegel Grenzen für Emissionen in Luft und Wasser während der Produktion. Darüber hinaus soll auch der Energieverbrauch geringgehalten werden. Es werden Mindestwerte für den Anteil der recycelten bzw. aus nachhaltigen Quellen stammenden Fasern gefordert.

NF Environment (335 – CARTOUCHES D’IMPRESSION LASER)

Das NF-Label für Laserdrucker-Patronen definiert Kriterien zur Verringerung von umwelt- und gesundheitsgefährdenden Stoffen. Außerdem müssen gebrauchte Patronen gesammelt und wiederaufbereitet werden. Ein konkreter Bezug zu nachwachsenden Rohstoffen besteht in diesem Bereich nicht.

Apur Papier Recyclé

Das Siegel zertifiziert Recyclingpapier und -kartons. Um die Anforderungen zu erfüllen, muss der Anteil der recycelten Zellulosefasern im Produkt mindestens 50 % betragen.

Imprim’Vert

Die Kriterien von Imprim’Vert beinhalten Regelungen für den Herstellungsprozess von Druckerzeug­nissen. Der Einsatz giftiger Produkte wird ausgeschlossen und es werden klare Richtlinien zur Lagerung und Entsorgung gefährlicher Flüssigkeiten festgelegt. Mindestanteile an nachwachsenden Rohstoffen, beispielsweise bei Tinten, werden nicht gefordert.

Energy Star

Der Energy Star ist ein Label für Bürogeräte. Die Kriterien des Labels definieren Anforderungen an den Energie­verbrauch der Geräte. Das Siegel nimmt keinen Bezug auf Anteile aus nachwachsenden Rohstoffen, die die Geräte aufweisen sollen.

Produkt- und Anbieterübersicht von Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen:

Eine Übersicht zu Büroartikeln aus nachwachsenden Rohstoffen finden Sie auf der Seite der ’nachwachsenden Produktwelt‘ der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe und bei folgenden Unternehmen:

https://www.die-nachwachsende-produktwelt.de/fuer-beschaffer/produktwelt/buero/